Sally on the Blog

Die süßen Kleinen

Dezember 11th, 2008

Guten Abend liebe Miteltern und Mitfühlende,

nachdem meine süßen Kleinen nun im Bett sind und hoffentlich wissen, dass es auch besser für sie sein wird, wenn sie da bleiben, möchte ich Euch an einem ganz normalen Tag meines Lebens teilhaben lassen…

Herr P. hat mich und die Kinder heute Morgen - wie so oft - bis Samstag Abend verlassen, um in mordswichtiger Angelegenheit unterwegs zu sein.

Nun bin ich ja seit kurzem nicht mehr seine immer verfügbare Hausmaus, sondern gehe einer kleinen, völlig unwichtigen Nebentätigkeit nach. Die Kinderbetreuung für den Zwerg und seinen Bruder zu sichern war auch gar kein Problem. Wir haben ja ne liebe Uromi und nen lieben Uropi, die das liebend gerne übernehmen. Dass die liebe Uromi kleinen Babies mit Vorliebe Kartoffelbrei mit Gelbwurststückchen füttert und Zuckertee zu trinken gibt und der liebe Uropi so wackelig und tatterig ist, dass ich beim Gedanken an das am Boden liegende Baby schon vor Angst bibbere, spielt eigentlich keine Rolle. Ich habe also einen halben Tag freigenommen, um das Zeitfenster bei den Urgroßeltern möglichst klein zu halten bis dann die Omi kommt und den Kleinen aus den Fängen der Alten befreit.
Ich brachte meinen Sohn also hin, sparte mir Ausführungen über Babyernährung, weil die Uroma ja eh - kaum bin ich zur Tür raus - machen wird, was sie will. Allerdings hab ich dem Baby kurz vorher noch wohlweislich eine Riesenmilchflasche reingedrückt, damit er nachher schön das Mittagessen verweigert.

Soweit hat auch alles geklappt, um 14 Uhr rief meine Mutter an, dass sie den Zwerg nun geschnappt hätte und er noch am Leben sei und keine Anzeichen von Schockzustand nach Wienerwürstchenvergiftung zeigte. Puh!
Für kurze Zeit wog ich mich also in Sicherheit…

Nun ist es so, dass ich dienstlich ausgerechnet heute für ein Bereitschaftsmobiltelefon zuständig war. Das passiert nicht oft, aber heute ging die Reihe an mich, bei Schritt und Tritt und auch beim Austreten dieses Ding mit mir zu führen und Gewehr bei Fuß zu stehen, falls ein für meinen Job spezifischer Notfall einträte. Ich hatte dieses Ding also bis 17 Uhr. Anschließend plante ich, meine Kinder bei meiner Mutter abzuholen und einen ruhigen Abend zu haben.
Weit gefehlt, wie sich vielleicht schon dunkel erahnen läßt…

Um 15.30 Uhr kam ein Anruf von meiner Mutter, welche - nachdem sie das Baby bei der Uromi eingefangen hatte - weiter in die Schule des großen Kindes geschoben war und ihn dort vom Hort holte - sehr aufgeregt darüber war, dass der Schulranzen des großen Kindes an der U-BahnENDhaltestelle W-Straße liegengeblieben und mit der U-Bahn im Endhaltestellentunnel verschwunden war.
Zufällig alles relativ nahe an meiner Arbeitsstelle.
Was tut man da? Schulranzen, Hausaufgaben, Bücher, Hefte und das Lernequipment für die Heimat- und Sachkundeunterrichtprobe am nächsten Tag im Ranzen!

Ich rief vom Büro bei den ÖPNV-Werken an und frage um Rat. Die nette Servicedame erklärte mir, dass es am besten sei, jetzt gleich loszulaufen um den U-Bahnfahrer dieser Bahn abzupassen, nachdem er sein Päuschen im Endhaltestellentunnel gehalten hatte und wieder in den Bahnhof W-Straße einfährt. Sollte dies nicht klappen, könne ich bis 16 Uhr im Fundbüro am Bahnhof schauen; sollte ich auch das nicht schaffen, ginge der Ranzen ins Zentrale Fundbüro und wäre dort aber kaum vor Montag Nachmittag zu kriegen.

Ich ließ alles stehen und liegen, brüllte im Eingangsbereich den Conciergen noch zu, dass ich gleich wieder da sei und rannte zum U-Bahnhof. Wartete auf die U-Bahn und fragte, als sie kam, den Fahrer hoffnungsvoll nach dem grün-schwarzen Schulranzen mit Fußbällen drauf und einem Zebraanhänger mit Puschelschwanz. Der meinte, da wäre ich spät dran, denn der Fahrer vor ihm hätte keine Pause gemacht, sondern wäre gleich weitergefahren. Er gab seinen U-Bahnfahrerkollegen per Funk durch, dass eine aufgelöste und wirr erscheinende Frau am U-Bahnhof W-Straße warten würde, bis der Fahrer mit dem grün-schwarzen Schulranzen mit Fußbällen drauf und einem Zebraanhänger mit Puschelschwanz wieder in der anderen Richtung im Bahnhof W-Straße einfährt.

Ich rannte in einem Affenzahn zurück, packte meinen Sachen und mußte zähneknirschend eine von mir (*Ironie on*) äußerst geschätzte (*Ironie off*) Kollegin bitten, das Notfallhandy für mich zu übernehmen.
Rannte wieder zurück zur U-Bahn. Unterwegs rief wieder meinte Mutter mit dem Hinweis an, dass mein großer Sohn sich eventuell daran erinnert, den Ranzen nicht in der U-Bahn, sondern bereits auf der Wartebank im U-Bahnhof S-Straße vergessen zu haben.

Ich stieg also in die U-Bahn, fuhr bis S-Straße…aber NICHTS.
Also zurück zur W-Straße, auf alle U-Bahnfahrer der Linie 4 gewartet. Einer nach dem anderen: Keinen Ranzen.

Mir war kalt, ich war müde, ich mußte aufs Klo und mein Tampon drohte, undicht zu werden. Eine weitere U-Bahn mit einem weiteren U-Bahnfahrer kam und endlich hoffnungsfrohe Nachricht:
Der Ranzen sei im Infopoint der ÖPNV am Bahnhof im Zwischengeschoß abgegeben worden. Ich also wieder in die U-Bahn, zum Bahnhof gefahren. Hoch ins Zwischengeschoß, umhergeirrt, tausend Infopoints… Kein Ranzen.
Schalter A verwies mich ans Fundbüro, ich rannte hin, seit 16 Uhr geschlossen. Schalter B schickte mich zu Schalter C und der freundliche Mann am Schalter D meinte:

“Ja mei, heut werd des nix mehr. Da schauns am Montag am besten gleich im Zentralfundbüro. Aber solche Sachen wer ‘n a oft gar net abgegeb’n”

Danke, raub mir nur alle Hoffnung, Du ÖPNV-Arschgesicht!

Ich rannte zu Schalter F und muss anstehen, während sich eine alte Dame nach der anderen das Ticketsystem der Münchner Verkehrsbetriebe erklären läßt… Währenddessen dachte ich mir 1000 Kinderfoltermethoden aus.

Als ich dran war, brauchte ich gar nicht viel sagen… die nette Dame zeigte gleich auf den Ranzen hinter sich! Meine Fresse, war ich froh, ich hatte echt Mühe, nicht vor Erschöpfung und Glück zu heulen. Sie reichte mir den Ranzen und riet mir, mit dem Christkind eine Geschenkereduzierung zu besprechen.

Ich also wieder - mit Ranzen - in die U-Bahn und zu meiner Mutter, wo in großem illustren Kreise Kaffee und Prosecco getrunken und Plätzchen gegessen wurde. Die reizenden Freundinnen meiner Mutter haben herzlich gelacht und waren der Ansicht: “Ja, mei, wozu hat man denn so eine brave Mama?”
Ich hätte kotzen können vor Wut, echt wahr! Und ich hatte Mühe, nicht vor Zorn zu heulen.

Hatten wir hier nicht neulich das Thema “Schläge” und Erziehung? Und gabs da nicht einige, die darauf hingewiesen haben, dass Kinder uns an unsere Grenzen treiben????

Ich hab ihn übrigens nicht geschlagen. Aber wie wird man einen 8jährigen in der Babyklappe los, wenn er seinen Namen und seine Adresse kennt?

Ich mach mir jetzt nen Rotwein und ne Tafel Schokolade auf.

Prost,
SallyP.

PS: Hatte ich schon mal den Mehrfachmuttis meine allergrößte Hochachtung ausgedrückt? Wenn nicht: Ich verneige mein Haupt vor Euch!

PPS: Wenn Herr P. am Samstag kommt, drücke ich ihm wortlos seine beiden Kinder in den Arm und verschwinde dann bis Sonntag Abend für ne Alkohol- und Sexorgie.

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