Sally on the Blog

Sally wechselt die Spur #1

März 18th, 2011

Als ich klein war, hatte ich eine Spardose. Da kam alles Geld rein, das mir meine vielen Großtanten dann und wann freundlich für ein Eis in die Hände drückten. Mein Opa legte noch immer was dazu, brachte das Geld regelmäßig zur Sparkasse und sagte dazu, dass ich dann mit 18 problemlos den Führerschein machen könne. Ich habe als Kind wenig Eis gegessen.

Als ich dann volljährig wurde, trug ich grüne Haare, “sex pistols”-T-Shirts und setzte mich engagiert für einen Sturz der Kohl-Regierung zugunsten einer anarchistischen Selbstverwaltung ein. Mein Opa war schon gestorben und mit dem Geld, das meine Oma von der Sparkasse für den Führerschein holte, fuhr ich nach dem Abitur und ohne Studienplatz 2 Monate nach Griechenland. Dort hüpfte ich von Insel zu Insel und von Schlafsack zu Schlafsack und eignete mir wichtige Kernkompetenzen, wie z.B. das Drehen eleganter, schmaler Joints aus zwei Blättchen, an.

Ein Jahr später gab mir die Omi vertrauensvoll den Rest des Geldes und diesmal blieb ich in Griechenland, bis die Winde dort so stark und kalt wurden, dass man morgens am Strand in der Isomatte fast gänzlich mit Sand begraben war und empfindlich fror. Sie ist darüber bis heute sauer und nutzt jede Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass ich durch meine griechischen Allüren den Willen des Großvaters geschmäht habe und dieser sich deshalb sicherlich noch heute vor Gram im Grabe wälzt. Meine vorsichtigen Hinweise, dass das Geld ursprünglich für Eis gedacht war und ich mir ein solches auch ab und zu in Griechenland gegönnt hatte, helfen ihrer anhaltenden Verstimmung nicht ab.

Bald darauf erbarmte sich die Zentrale Vergabestelle von Studienplätzen - vielleicht durch transzendentale Eingebung meines Großvaters - dann doch und ich begann ein bürgerliches Studium in der Stadt, in der man mit dem Fahrrad immer Vorfahrt hat und Parkplätze so selten sind, wie elektrische Zitruspressen im lakadonischen Regenwald. Ich lockte einen Kommilitonen aus dem bayerischen Oberland erst in mein Bett und später ganz nach München, wo er sein Auto abmeldete und mit mir Kinder in die Welt setzte, welche wir fortan in Fahrradanhängern durchs Leben fuhren.

Zehn Jahre lang trug der Oberländer bei unseren wenigen motorisierten Ausflügen stoisch die Alleinverantwortung und überließ mir geduldig die Rolle der ewigen Beifahrerin, die nur zum Kaffeereichen, Kartenlesen und Besingen der Kinder auf der Rückbank sowie zur Beseitigung des kindlichen Erbrochenen und anderen niederen Tätigkeiten taugt.

In Anbetracht eines drohenden Auslandsurlaubs im kommenden Sommer mit Mietwagen und ohne öffentliche Verkehrsmittel forderte der sonst so kompromißbereite Mann dann aber meine umgehende Anmeldung in einer Fahrschule und unterstrich die Ernsthaftigkeit dieser Forderung mit der Drohung, andernfalls mit einer 24-jährigen Motocrossfahrerin durchzubrennen und die Kinder bei mir zu lassen.

Alles Flehen, Weinen und verzweifelte Versprechungen hinsichtlich täglichem und orgastischem Sex sowie wöchentlichem Schweinebraten mit zweierlei Knödeln halfen mir nicht und so betrete ich also dieser Tage angstvoll die Fahrschule um die Ecke.

5 Responses to “Sally wechselt die Spur #1”

  1. Drogo

    24 Jährige Motocrossfahrerinen stehen nicht auf Fahrradfahren Mittdreisiger
    also keine Angst!

  2. SallyP.

    Gott sei Dank. Ich war echt in Sorge.

  3. Drogo

    du brauchst mir nicht danken und Drogo reicht auch das andere ist nur der titel :-)

  4. Sprosse

    Glückwunsch! Dann darf der Mann dann mal das Kotzbeutel-Halten auf der Rückbank, die Kartenleserei und die allgemeine Wagenbespassung übernehmen.

  5. Drogo

    Nur weil wir Männer euch Frauen den Führerschein machen lassen heist das noch lange nicht das ihr auch Fahren dürft :-)

    Gut ausnahme wir sind betrunken

Proudly powered by WordPress. Theme developed with WordPress Theme Generator.
Copyright © Sally on the Blog. All rights reserved.