Sally on the Blog

Babymesse München

Oktober 27th, 2008

Unerwartet bin ich an zwei Freikarten für eine Baby-Messe gekommen und habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, dort mit einer Freundin aus der Online-Krabbelgruppe vorbeizuschauen.

Ich weiß nicht, wie es in anderen Teilen der Repulik ist, aber hier in München gibt es ja einen regelrechten Babyboom! Und zwar, wie mir scheint, vor allem auf Seiten der mittel- und großschichtigen Münchner Style-Fraktion! Kinder haben ist neuerdings richtig schick und ein unbedingtes MUST für Ingenieurs- , Lehrer-, Informatiker- und Consultantfamilien.

Mutti hat zwar natürlich studiert, verbringt die Tage aber nun in ihrer Bamboo-Parkett-Wohnung für 15 Euro/qm bei ihrem Töchterchen, das Namen trägt, welche ich hier nicht nennen will, weil ich niemandem ungewollt und unwissentlich auf den Schlips treten möchte. Der Tag vergeht mit Babygebärdensprach-, Musikalischefrüherziehungfürbabies- und anderen Kursen, auf die ich noch zu sprechen komme….

Diese Mütter hängen zuhauf mit ihren Bugaboos oder wahlweise Stokke Explory - Kinderwagen auf Spielplätzen rum und sehen dabei irrsinnig gut aus. Oftmals anzutreffen auch in der City bei KaffeeausdemSchnabelbecherKompanie und Konsorten.

Achja, und die Babymesse…
Das war dort gestern quasi die ESSENZ daraus! Alle diese Eltern waren dort; allesamt entweder schwanger oder mit teuren Kinderwagen. Die Schwangeren allesamt mit stylischen Bauchbändern und - soviel ich erkennen konnte - ohne Wasserfüße und Hämorrhoiden.

Die Aussteller:
Schicke Münchner Kliniken, die mittels Free-Ultraschall für sich werben. Und natürlich finden sich auch immer welche, die sich inmitten dieses Besucherandranges beschallen lassen.

Schicke Münchner Baby-Design-Geschäfte…u.A. handgenähte, personalisierte Schnullerketten und handgearbeitete Schühchen. Weleda stellte die “Wickellounge” und die “Stilllounge” zur Verfügung. Letzteres war super. Ich konnte dem Zwerg seine völlig verschissene Windel in der Lounge wechseln, wo mir von Wickelunterlage über Öko-Windel und  Popocreme bis Babyöl alles zur Verfügung gestellt wurde. Die Stilllounge habe ich leider nicht genutzt. Ich habe das hungrige Kind stattdessen im schnöden Cafè gestillt, wo wir schamlos den Apfelstrudel meiner Oma auf im Cafè entwendeten Tellern verputzt haben.

Was gabs noch?
Familienhotels mit Babybetreuung ab 7 Tagen Lebenalter zum Preis von 7 Jahren Arbeitsentgelt für 7 Tage Aufenthalt

Wellness-Hotels für Schwangere mit Hebammenbetreuung (den Preis hab ich gar nicht mehr nachgefragt, da ich so hohe Zahlen eh meist durcheinander bringe).

“Early-english”-Kurse für Babies ab 3 Monaten.

Die Bahnhofapotheke Kempten mit Frau Stadelmann HERSELF (ich hab sie leider verpaßt, sonst hätte ich ihr die meine Meinung über die Funktionalität ihres Rückbildungsöles schon gegeigt!)

Baby- und Kleinkindschwimmen in Privatschwimmbädern ohne Chlor (dürfen die Babies da nicht reinpinkeln?)

Auto-Aussteller, welche ihre Familienkutschen vorführen, was bei uns die Frage aufwarf, wieso man mit Kind immer gleich ein neues Auto braucht. Ist es nicht realistischer, das Auto zugunsten von ca. 3000 Euro Windelkosten zu verkaufen? Vom Studium ohne Bafög ganz zu schweigen…

Finnische Kindermode, wo ein paar Socken soviel kostet wie ein halber Monat Kinderkrippengebühr

Avent natürlich. Ich bin sofort auf die Aventtante losgestürmt und hab ihr meine Meinung dazu gesagt, dass bei den teuren Flaschen nicht mal eine Verschlussscheibe zum Schütteln dabei ist und dass das ja wohl das Letzte wäre. Die Dame hat mich nur milde belächelt und mich dann darauf hingewiesen, dass es helfen könnte, die Gebrauchsanleitung zu lesen, und mich dann hochnäsig gefragt hat, ob ich bisher wohl “herkömmliche” Fläschchen benutzt hätte.

Ich könnte ewig so weiter, aber ich will die Leserschaft ja nicht langweilen. Alles in allem sehr interessant und kurzweilig. Ich bin mit 3 Riesentüten an Webegeschenken nach Hause gekommen und habe es nicht lassen können, Herrn P.  für die kommenden Elternzeit einen soliden Männer-Wickel-Rucksack zu kaufen.  Mit Platz für Laptop und Handy und einen Tupperbecher voll Testosteron.

Insgesamt: Diese Veranstaltung hat meinen Eindruck bestätigt, dass Kinderhaben und -kriegen für bestimmte Gesellschaftsschichten neuerdings dazugehört, wie ein schicker Dekoartikel. Ein schickes, durchdesigntes Baby hat man wohl neuerdings! Siehe auch A. Jolie und Konsorten.

Die Windel, welche die Kackahaufen aber selbst absorbiert und den Geruch neutralisiert hat aber bisher noch niemand erfunden. Und die Geburt ohne Schmerz und Sauerei auch nicht.

Schade eigentlich.

SallyP.

One Response to “Babymesse München”

  1. Hans Meiser

    Hallo zusammen,
    Endlich mal wieder ein guter Blog.
    Ich hoffe, Ihr könnt euren Stand so halten, mir würde es gefallen.
    Auch das Design gefällt mir, könnt Ihr mir sagen, ob das ein freies Design ist, und wo ich es bekomme?

    Gruß aus Aachen

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