Sally on the Blog

Von Pipi und Kacka

August 20th, 2010

Wir haben großen Anlaß zur Freude! Unser Kleinkind ist nun etwas über zwei Jahre alt und hat die Freuden der Toilette und an allem, was damit verbunden ist, entdeckt. Wann hört diese Phase, die wohl völlig normal ist, auf und mündet in einem regelhaften Benutzen der Toilette für große und kleine Geschäfte ohne Verstopfung derselbigen mit ganzen Klopapierrollen? WANN, hä?

Angefangen hat es damit, dass er vor ein paar Wochen nurmehr nackt sein wollte. Ständig riß er sich die Kleider und die Windel vom Leib, sprang wie ein Affe auf LSD durch die Wohnung und schrie: “Ich bin der nackte Frosch!”. Dabei bildete sich unter ihm öfter mal eine Pfütze oder auch ein Häufchen, was angesichts eines heissen Juli kein Problem war, denn wir hielten uns zumeist draußen auf. Die große eklige Wurst in der Sandkiste schoben wir einfach auf den Hund vom übernächsten Nachbarn und schütteln seither empört den Kopf, wenn dieser mit seinem Herrchen vorbei kommt.

Als er aber merkte, dass diese seltsamen Absonderungen irgendetwas mit ihm, dem nackten Frosch, zu tun haben und in direkter Verbindung mit dem lustigen kleinen Zimmer, das man absperren kann und in dem sich die vielen spaßigen Papierrollen befinden, stehen, fing der Wahnsinn an. Dauernd fordert er nun, auf die Toilette gesetzt zu werden und ignoriert anhaltend unsere Bitten, seinen Schniepel nach UNTEN zu halten. Neuerdings schickt er uns auch immer raus und verfügt, dass die Tür geschlossen sein möge. Eine Forderung, welcher wir nur zögerlich nachkommen, seit er sich eingesperrt hat und wir nicht gleich die passende Münze gefunden hatten, die in den Außenschlitz passte. Anschließend mußten wir das Zimmer generalreinigen, denn er versuchte sich mit der Klobürste in surrealer Malerei auf den Wandfließen. Seither klebt vorsorglich eine 2-Cent-Münze mit Klebeband außen oben an der Toilettentüre.

Vereinbarungen, wie z.B. “Du sperrst Dich aber nicht ein, ja?”, “Du nimmst Dir aber nur ein kleines Stück Klopapier zum Abputzen” und “Du rufst, wenn Du fertig bist, und stehst nicht einfach auf, ja?” kann man aber noch nicht zuverlässig mit ihm treffen, denn er nickt immer mit ehrenhafter Miene und bricht anschließend jedes Versprechen eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken.

Seit es dauernd regnet und wir viel zu Hause sind, versuche ich, ihn wieder an das Tragen von Windeln zu gewöhnen, was sich leider schwierig gestaltet. Vor kurzem hat eine Kita-Erzieherin zu Herrn P. gesagt, wir mögen dem Kind doch bitte Unterhosen besorgen, denn Kinder, die anhaltend Bodies trügen, würden länger nicht sauber. Daraufhin lief der brave Herr P. in seiner Mittagspause in die City und kam abends mit - ungelogen - 20 Unterhosen wieder nach Hause. Zwei davon zierten Darth-Vader-Aufdrucke, was mich sehr befremdete. Unlängst verbot er nämlich dem großen P.-Kind das Tragen eines T-Shirts mit Totenkopf-Aufdruck in der Schule. Ich untergrub diese Erziehungsalbernheit unmittelbar und schickte das Kind unter verständnislosem Kopfschütteln mit dem T-Shirt in die Schule, worauf mir mein Mann eine Szene machte, wie ich sie noch nicht erlebt hatte. Ich erklärte ihm, dass heutzutage sogar die Religionslehrerinnen Totenköpfe auf den Turnschuhen hätten und schimpfte ihn einen widerlichen Spießer, der wohl vergessen hätte, wie ihm seine Mutter seinerzeit das “F.i.c.k.e.n, B.u.m.s.e.n, B.l.a.s.e.n”-Shirt der Toten Hosen einfach weggeworfen hatte, nachdem sich die Schulleitung telefonisch bei ihr beschwerte. Bis heute fordert er es vergeblich von ihr zurück.

Also trägt mein Kleinkind nun Krieg-der-Sterne-Unterhosen und besteht nicht mehr nur darauf, ein nackter Frosch zu sein, sondern dabei auch noch Unterhosen zu tragen. Er schwört täglich feierlich, NICHT in die Wohnung, auf die Couch, unter den Tisch oder sonstwohin außer in die Toilette zu pinkeln und tut es doch ständig. Wie das passieren kann, wo er doch eigentlich die gefühlte Hälfte des Tages auf der Toilette verbringt, ist mir ein Rätsel, zumal er inzwischen auch wirklich oft erfolgreich hinein trifft.
Neulich hat er auf mein altes Fotoalbum mit den Kommunionbildern gepinkelt. Er fand wohl auch die gräßliche Mireille-Matthieu-Frisur schrecklich, die mir meine Eltern für diesen Tag hatten machen lassen.

Übrigens wirbt ein großes schwedisches Möbelhaus für seine Sofas dafür, dass sie familiengeeignet seien und die Bezüge sich abziehen und waschen ließen. Die Schweden haben mir aber nicht gesagt, was man machen soll, wenn das Kind auf die nicht abziehbare Armlehne pinkelt, weil es von dort gerade den Salto beim Nacktturmspringen der Frösche in Unterhosen üben wollte. Man rubbelt also mit Seifenwasser am Pinkelfleck rum und hofft, dass das Pipi schnell nach innen in den Sofakern fließt. Mein großes Kind setzt sich nur noch nach mißtrauischem und angeekeltem Abtasten des Sofas darauf.

Gleichzeitig bekommen die stubenreinen Mitglieder dieser Familie jetzt immer interessierten Besuch, wenn wir auf der Toilette sitzen. Vorbei sind die Zeiten, wo man die einzigen ruhigen fünf Minuten der Woche freitags mit dem SZ-Magazin und Axel Hacke auf dem Klo verbringen durfte. Immer kommt jetzt der nackte Frosch hinzu und möchte detailliert darüber sprechen, was man gerade tut oder zu tun im Begriff ist und ob man anschließend das trockene oder das feuchte Toilettenpapier benutzen wird. Und immer heult er hinterher frustriert, weil man ihm nicht erlaubt hat, die lustige Klobürste zu benutzen.

Wann mündet dieses etwas schwierige Verhalten in regelhafter Toilettenbenutzung? Wie oft muss ich noch bereuen, dass wir unser schweineteures Parkett aus Designgründen nur geölt, und nicht lackiert haben?
Wann darf man damit rechnen, dass dieses ewige Fäkalthema wieder etwas in den Hintergrund rutscht und wir wieder über hungrige Raupen und den Maulwurf Grabowski sprechen können?

SallyP.

2 Responses to “Von Pipi und Kacka”

  1. Drogo

    “Du nimmst Dir aber nur ein kleines Stück Klopapier zum Abputzen”
    erinnert mich immer wieder daran einen Klo-Papierspender zu erfinden der pro knopfdruck genau 2 Blätter heraus gibt und Max 3 Mal Drücken pro Minute zulässt.

  2. hal

    herrliche geschichte, ein fabelhafter blog! ich freue mich schon darauf, dass unser frisch geschlüpfter auch mal nacktfrosch spielen wird. bitte weiterbloggen, liebe sally!

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