Sally on the Blog

Zeit für Winterschlaf

November 5th, 2009

Weil zur Zeit so oft von Herbst-Müdigkeit die Rede ist:
Ich bin zur Zeit morgens so müde, dass ich wirklich jeden Morgen, wenn der Wecker klingt, glaube, ich müsse jetzt sterben. Das ist wirklich hart, weil 5 Mal pro Woche zu sterben übersteigt langfristig mein Leistungsvermögen. Außerdem ist es ja nicht so, dass ich am Wochenende einen Prinzessinnenschlaf machen könnte… nein, nein. Samstag oder Sonntag muss ich ja auch den Kleinkinderkröten-Wochenendfrühdienst übernehmen, sonst stirbt wiederum Herr P. mittelfristig an Müdigkeit und das würde ja bedeuten, dass ich dann allein Samstag UND Sonntag raus muss. Außerdem haben wir immer noch keine Risikolebenversicherung aufeinander abgeschlossen.

Was ist nur los? Gehts Euch auch so? Noch vor zwei Wochen saßen wir im Shirt im Biergarten, haben in die Sonne geblinzelt und uns furchtbar italiensich gefühlt und ganz urplötzlich hatten wir gänzlich überraschend für zwei Kinder keine Winterjacke, keine Winterschuhe und keine Handschuhe und sahen uns deshalb schweren Mißhandlungsvorwürfen seitens der Großmütter ausgesetzt.
Sowas wie Handschuhe will mein Kleiner auf Tod und Teufel aber nicht anziehen und nennt sie beharrlich “Handsch-Aua”. Gleichzeitig kann er aber neuerdings “kalt” sagen, und meint damit in der Regel seine Finger, morgens auf dem Weg in die Kinderkrippe. Und Erkältung…. von Schweinegrippe oder anderen Kinkerlitzchen will ich gar nichts wissen, die fürchte ich nicht! Was kann schlimmer sein, als eine viele Wochen lang andauernde Kleinkindkröten-Erkältung? Seit 5 Wochen jetzt Rotznase und Husten. Rotznase und Husten, bei beiden Kindern. Der Kleine hustet manchmal so schlimm, dass er sich übergeben muss. Vorgestern Abend, Herr P. war natürlich zum Zwecke von Leibesertüchtigung nicht zu Hause, hab ich das Kind gebadet, frischen Schlafanzug angezogen, Fläschchen, Liedchen gesungen, Heia ins Betti. Da fängt er zu husten an und kriegt sich nicht mehr. Kotzt irgendwann mit Radius von einem halben Meter um sich das Abendessen - Kartoffelsuppe mit Wiener Würstchen - wieder aus. In unserem Bett übrigens. Also vollgekotztes Kind im Bad ablegen, komplett ausziehen, duschen, frisch anziehen. Betten frisch beziehen und das Allerschönste: die Wienerstückchen akribisch zusammensuchen, weil die sonst das Waschmaschinensieb verstopfen. Kennt Ihr das? Man macht alles sauber, aber irgendwie riecht immer noch alles…. Spätabends kam Herr P., küßt mich zur Begrüßung und sagt:” Pfui Deifel, Du stinkst ja nach Speibe!”.

Das mit der Rotze ist auch so eine Sache: Ich geb mir immer viel Mühe, aufzupassen und wir putzen dem Kind ja auch ständig die Nase, aber trotzdem hab ich dauernd Rotzeflecken auf der Bluse oder dem Blazer. Furchtbar ist das, denn meistens merkt man es erst im Büro, im Meeting mit lauter schnöseligen Anzugträgern, deren gute Ehefrauen natürlich aufgepaßt haben, dass sie KEINE Rotzeflecken auf dem Boss-Anzug haben. Wenigstens hab ich meine Kollegin M., Mutter von 4jährigen Zwillingen. Sie und ich pflegen uns ganz solidarisch seit einigen Wochen vor jeder wichtigen Besprechung gegenseitig von oben bis unten zu inspizieren wie Paviane auf der Suche nach Läusen und uns mit feuchten Reise-Toilettentüchern die eingetrockneten Rotzflecken wegzurubbeln.

Jaaaaaa, der Winter… und dann diese Dunkelheit! Ganz plötzlich ist es jetzt immer dunkel. Morgens wenn der Wecker klingelt: stockfinster. Wenn ich aus dem Bad komme und die Zeitung nicht da ist, weil der Austräger auch schon Winterschlaf macht, immer noch: stockfinster.
Und sogar wenn ich ins Büro radle: stockfinstere Nacht. Es wird nicht mehr lange dauernd, da wirds auch finster sein, wenn ich wieder heimradle und dann seh ich 4 Monate lang den Tag nur vom Bürofenster aus. Brrrrrr!

Nicht mal mehr ausgehen mag ich… weil ich dann so spät ins Bett komme und der Morgen danach noch schlimmer als eh schon ist. Vor ein paar Tagen hatten wir Betriebsausflug, das war eigentlich äußerst vergnüglich. Trotzdem hab ich um 21 Uhr nach dem zweiten Glas Rotwein aufgegeben und bin - übrigens stockbesoffen, wie war das mit der Alkoholverträglichkeit im Alter? - heimgefahren. Und dann durfte ich noch nicht mal ins Bett, sondern musste noch mein Schulkind retten, welches bis zum nächsten Tag 4 cm Höhe an seinem Murmelsäckchen häkeln musste und es natürlich nicht geschafft hat, der Arme! Was denkt die Schule sich denn, hä? Ein aufmerksamkeitsdefizitäres Kind mit klebrigen Wurstfingern kann doch kein filigranes - weisses - Murmelsäckchen mit Engelsmaschen häkeln! Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt und bringt nur Frustration und lebenslange Handarbeitsphobie. Der wird seiner Frau später mal sicher keine Tischdeckchen häkeln!

Also war ich die aufopferungsvolle Mutti und hab drauflos gehäkelt, aber ich kann euch sagen: Todmüde und besoffen bin auch ich nicht mehr die Königin der Engelsmaschen. Dennoch hats die Frau Handarbeitslehrerin gemerkt und zum Anlaß genommen, der Klasse über die ganz ureigene, individuelle Häkelhandschrift eines jeden einzelnen Individuums zu referieren, an welchem man dasselbige immer erkennen könne. Der Engelsmaschenfingerabdruck sozusagen. Die Theorie sollte sie mal dem BKA vortragen…
Wahrscheinlich konnte sie sogar an meinen Maschen noch meinen Blutalkoholwert ablesen.

Ich bin dazu gemacht, mich jetzt hinzulegen und richtig schön auszuschlafen. Bis April. Den nötigen Speck dafür hab ich mir auch schon angefressen, denn ich bin zur Zeit nicht nur dauermüde, sondern auch dauerhungrig.

Gute Nacht!

SallyP.

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