Sally on the Blog

Gestern kam eine Email von Großtante Gitti aus Köln mit einem ambitionierten “Hellau” und “Alaaaaaaaaf” und Grüßen zum Karneval. Im Anhang ein Foto von sich als volltrunkenes Funkenmariechen und ihrem neuen Lover, dem Seemann.

Nun hat ein bayerischer Vater - und damit genetisch bedingt grundgrantiger Mensch - so seine Schwierigkeiten mit derlei Festivitäten und entsprechend brummelte Herr P. bloß was von das hieße ja wohl Fasching und der sei nicht für g’spinnerte Erwachsene sondern für Kinder.

Und weil wir von letztgenannter Spezies gleich zwei Exemplare zum Zwecke der Aufzucht in unseren Haushalt aufgenommen haben, müssen wir unseren Grant jedes Jahr ausblenden und uns ebenfalls in den Faschingsspaß begeben.
Der Vorpubertierende äußerte in diesem Jahr den Wunsch, ein Jedi-Ritter zu sein. Als ich dies vernahm, mußte ich mich doch wundern, denn als Sohn pädagogisch anspruchsvoller Eltern durfte der 9-jährige die Star-Wars-Trilogie selbstredend nicht sehen. Wie sich herausstellte, hatte er aber schon vor Monaten den ersten Teil bei seinem Freund Justin kennengelernt und war völlig im Bilde. Justins Eltern hatten es entweder nicht für nötig befunden, uns zu unserer Meinung diese Form der Medienerziehung betreffend zu fragen bzw. haben gar nicht mitgekriegt, was ihr Sohn in seinem Zimmer mit eigenem Fernseher so alles treibt, wenn es gerade so schön still darin ist.

Den Wunsch nach der Jedi-Robe schlug ich dem Kind zunächst ab, denn die Ausgabe für eine originale Obi Wan Kenobi-Robe erschien mir zu groß angesichts des Fensters, welches das feinmotorisch minderbegabte Kind vor kurzem zerstört hatte. Ich hatte im Schlafzimmer gelüftet und zu diesem Zwecke ein T-Shirt in die Spalte geschoben. Als ich das Kind bat, das Fenster zu schließen, versuchte es eben dies mit aller Gewalt und kam auch nach minutenlangem Drücken und dagegen Stemmen noch nicht darauf, dass sich etwas zwischen Fenster und Rahmen befinden könnte. Als er mir genervt berichtete, dass das Fenster sich seltsamerweise nicht mehr schließen lasse, schwante mir schon Ärger.

Wie sich herausstellte, war die Befestigung im Rahmen unwiderruflich kaputt und eine Reparatur voraussichtlich teuer. Angesichts dieser drohenden Ausgabe strich ich dem Kind den Jedi-Verkleidungswunsch und war stolz, endlich Konsequenzen aufgezeigt zu haben und hart geblieben zu sein. Selbst als das Kind und Herr Kenobi senior mich tagelang nur stumm mit traurigen Augen anschauten, blieb ich hart.

Der Fensterreparaturmann kam, hörte die Geschichte und zerfloß vor Mitleid mit dem armen Bub. Er reparierte das Fenster umsonst und verbuchte es unter Gewährleistungsverpflichtung der Baufirma. Am selben Tag brachte der grobmotorische Obi Wan Kenobi eine Eins in Mathe und wünschte sich zur Belohnung, sich von seinem Taschengeld selbst ein Jedikostüm kaufen zu dürfen. Herr P.  entschied wohlweislich ohne Rücksprache mit der konsequenten Mutter, dass der Bub das Kostüm bekäme und die Strafe ungewidmet würde in eine Taschengeld-Spende für Erdbebenopfer in Haiti.

Als ich davon hörte und mich vor vollendete Tatsachen gestellt sah, gelang es mir nur noch, die Spende an den Kinderschutzbund umzuleiten. Mir war sehr daran gelegen, dass Kinder, deren Eltern angesichts solcher Fensteraffären weniger beherrscht und pädagogisch versiert waren, davon Nutzen hatten.

Am Abend vor dem großen Faschingsfest wollte ich mein müdes Haupt zur Ruhe betten und sah meinen Wecker stehengeblieben. Wie sich herausstellte, hatte Obi Wans Vater die Batterien entfernt, um das Laserlichtschwert seines Sohnes leuchten zu lassen. Dass die Mutter morgens rechtzeitig zur Arbeit in die Kantine des Sternenverwaltungshauptquartiers kommt, erschien den beiden belanglos. Im Zweifel hätten sie wohl den Schuldnerberater gerufen, um mit dem Laserlieferanten eine Ratenzahlung oder gar Stundung zu vereinbaren.

Die wichtigen Kostümierungsfragen wurden bei uns auch im Team diskuttiert. Die Tochter der einen Kollegin wollte unbedingt Unterwasserfee werden, was in der Mittagspause die Frage aufwarf, ob es sich dabei um ein meerjungfräuliches Wesen oder eher um eine Art Amphibiennymphe handelt. Die Tochter der anderen bestand darauf, als Hund kostümiert zu werden. Die Eltern waren überrascht, da das Kind all die letzten Jahre eine Prinzessin war und die Wandlung zum Hund unvorhergesehen kam. Von der Prinzessin auf den Hund gekommen quasi. Offenbar hat das Kind in einem Jahr einen riesigen Schritt von kindlicher Naivität in Richtung Realitätsbezug getan.

Unser Zwerg war in der Krippe “Pinguwin” und kann inzwischen täuschend echt den Watschelgang eines gehbehinderten Pinguins nachahmen. Beim Faschingsumzug hier im Viertel saß er hingegen dick vermummt als Drache im Schneeanzug in der Kraxe auf dem Rücken seines Vater und brüllte regelmäßig furchterregend “Kapfensoße!” und meinte damit die Krapfenfüllung, die er mit Vorliebe aus dem Krapfen zu puhlen versucht. Aus des Drachen Nüstern kam nicht Feuer, sondern furchteinflößender grüner Rotz, was die Verkleidung außerordentlich authentisch werden ließ.

Nun ist der Fasching fast vorbei. Obi Wan Kenobis Schwert leuchtet nicht mehr und der kleine Pinguwin ist mit seiner Verkleidung, deren ursprüngliche Farben aufgrund der mit Krapfensoße verklebten Konfettis nicht mehr erahnbar sind, schlafen gegangen und träumt von Rotze-Drachen.

Die Drachenmutter und der Jedivater sind froh, dass das Treiben vorbei ist und haben sich fest vorgenommen, sich für den Faschingsumzug im nächsten Jahr auch mindestens einen albernen Hut zuzulegen. Wir könnten uns bei Tante Gitti aus Köln sicherlich das nötige Equipment leihen.

Alaaaaaaaaaaaf!

SallyP.

2 Responses to “Von Laserlichtschwertern und Rotze speienden Drachen”

  1. Drogo

    Hey du schaffst ja deine 4 Tage Line weiter :-) und ab märz werden es dann 3 Tage! Du schaffst das!

  2. Prinzessin Kostüm

    Vielen Dank für die Infos …

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