Sally on the Blog

Wochenanfang für Urzeitkrebse

Januar 18th, 2010

Eben rief Herr P. aus dem Spätdienst an, um sich zu erkundigen, was seine liebliche Familie so triebe. Just brüllte das große Kind zornerfüllt, weil das kleine ihn in den Schenkel gebissen hatte. Nicht einfach grundlos; nein, nein. Vielmehr als liebevolle Aufforderung, sofort von “Galileo” abzusehen und stattdessen die Legopinguine unter Pupsgeräuschen im Legolöwenkäfig Kacka machen zu lassen. Sein neues Lieblingsspiel. Auf den Schmerzensschrei hin heulte der Kleine und ich antwortete Herrn P. auf seine Begrüßung, dass ich die Kinder jetzt gleich an einem Rastplatz aussetzen würde.

Er lachte, erinnerte mich daran, dass wir kein Auto besitzen und bot an, Ben and Jerrys von der Tanke zu bringen, aber ich bin seit heute auf Diät und erbat mir stattdessen einen Cesars Chicken Salat aus dem schönen Diät-Burgerrestaurant, wo alle Frauen Supermodel werden, wenn sie oft dort essen gehen.

Fast hab ich den Montag nun hinter mir. Die kleine Nervensäge ist im Bett und schläft, nachdem er mich 7 Mal gezwungen hat, ihm zur Gute Nacht das Biene Maja Lied zu singen. Wenn ich neuerdings mit “Weißt Du wieviel Sternlein stehen…” anfange, hält er mir den Mund zu und fordert: Mama Maja Biene singen. Wer bin ich? Sally P. oder Karel Gott?

Sein großer Bruder ist auch schon im Schlafanzug und Herr P. mit schlank machendem Salat auf dem Weg heim. Nach solchen Tagen soll man einfach mit den Kindern ins Bett gehen und erst am Freitag wieder aufstehen. Um die Mittagszeit.

Heute Morgen hat der Radio noch gesagt, es sei glatt und man solle aufpassen. Auf dem Weg zur Arbeit war ich aber in Gedanken beim Sommerurlaub und der Frage, ob wir eher auf Frühbucherrabatt oder last minute bauen sollen und ob meine Flugangst bis zum Sommer verschwinden wird oder ich mir besser jetzt schon einen guten Verhaltenstherapeuten suchen soll, der dann bis zum Sommer gut einwirken kann. Natürlich hat es mich vor der Eingangstür meiner Arbeitsstelle gepflegt auf die Fresse gelassen. Der Systemadministrator, dumm wie ein Stuhl aber äußerst gutaussehend, stand gerade draußen beim Rauchen und hat durch herzhaftes Lachen bewiesen, dass er keine Kinderstube hat.

Mein Chef hat mir Arbeit aufgehalst, die an Recherche, Kooperation und Ausarbeitung drei Arbeitswochen verschlingen würde, Mittagspausen abgezogen und Überstunden inklusive.
Abgabefrist ist übermorgen. Mein Hinweis, dass es ja schon gut gewesen wäre, wenn er mich informiert hätte, als ER es auf den Tisch bekam, quittierte er mit Lachen, als wäre ich schon ein ganz arg lustiges Kasperl und dann verwies er mich noch darauf, dass ich letzte Woche ja einen Tag krank gewesen sei, sonst hätte ich es schon früher bekommen. Klar, ein Tag früher und ich hätte es easy geschafft. Als er übrigens um 16 Uhr mit Sporttasche unterm Arm nach Hause ging, hat er sich mit dem Hinweis “Jetzt gehen Sie dann aber auch mal heim zu den Kinder, gell?” verabschiedet.
Man muss das verstehen, er ist geschieden, in den besten Männerjahren und muss auch mal an sich denken.

Im Sushiröllchen heute Mittag, das ich mir nervös neben der Arbeit in den Mund stopfte, war eine Gräte. Ist mir auch noch nie passiert. Wenn ich bleibende Schäden davon getragen hätte, wäre das dann ein Betriebsunfall gewesen oder ist man verpflichtet, ungefährliche Käsebrote zu verzehren um der Berufsgenossenschaft nicht auf der Tasche zu liegen?

Das System hat natürlich HEUTE gesponnen und den Administrator hab ich aber nicht angerufen, weil mein Oberschenkel vom Sturz und meine Seele von seinem bösen Lachen noch schmerzte.

Auf dem Heimweg im Drogeriemarkt war ich natürlich nicht alleine, sondern zwischen Massen von Leuten, die sich alle zum Feierabend noch ganz dringend Drogerieartikel kaufen müssen. Vor mir standen zwei junge Mädchen, die sich nur über ihren Berufswunsch Model unterhielten und alle Anderen daran teilhaben ließen, dass die eine sich ja niemals nicht die Haare färben würde, weil sie ja von Natur über ein sattes Goldblond verfügte und die Andere sich sogar an der Kasse noch - statt rasch zu bezahlen - seelenruhig die Lippen nachzog. Statt ihre Einkäufe einzupacken, standen beide weiterhin am Kassenende, da wo das Laufband aufhört. Ich konnte meine Sachen nicht schnell einpacken und verschwinden und hinter mir bildete sich Stau, weil die beiden in Seelenruhe ihre neuen Nagellacke aneinander ausprobieren, an ihren billigen Tagescremes rochen und ich nicht an ihnen vorbeikam. Ich bin ja bekennende Verfechterin von Internatsschulen mit Schlafsälen und tagesstrukturierenden Maßnahmen in Form von Steinbrucharbeiten um Pubertierenden die Flausen auszutreiben, aber mich will das Kultusministerium ja bisher nicht in seine weiteren Planungen die Reformierung des Schulsystems betreffend, einbinden. Schade, ich hätte in der Schublade fertige Konzepte um der Bohlen- und Klumverblödung entgegenzuwirken.

Gerade wollte ich meinem präpubertierendem Kind noch den von ihm als peinlich empfundenen Gutenacht-Kuß geben, da musste ich feststellen, dass er Urzeitkrebse in Salzwasser angesetzt hat. Mit meinem Flor de Sal Salz, welches am Himalaya von glücklichen Yetimenschen in naturbelassenen Bioeishöhlen abgebaut wurde. Oder so. Jedenfalls ein bißchen teuerer als das Discounterjodsalz, welches wir wochentags ins Essen kippen.
Werden die Urzeitkrebse das zu schätzen wissen? Wenigstens profitieren die auf diesem Weg von diesem Montag.

SallyP.

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