Sally on the Blog

Sallys Weihnachtsgruß

Dezember 22nd, 2009

So. Endlich gibt es nach dem Wahnsinnsumzug mal Gelegenheit, in Ruhe meiner Cybersucht zu frönen. Herr P. und sein Erstgeborener haben provisorisch den Fernseher und DVD-Player angeschlossen und glotzen nun selig den ersten Teil von Star Wars. Der ist laut FSK ab 6 Jahren geeignet, die anderen Teile erst ab 12. Was haben sich die Macher dabei gedacht, hm? Nun muss der arme Kerl 3 Jahre warten, bis er weiß, wie der Krieg um die Sterne ausgeht? Aber was solls… ich bin Mitte 30 und weiß es selber nicht. Bisher ist mir kein Nachteil daraus erwachsen. Zumindest nicht wissentlich.

Wir sind also umgezogen. Letzten Samstag – 5 Tage vor heilig Abend - sind wir mit zwei Kindern und dem gesamten Hausstand von A nach B gezogen. Bei 12 Grad Minus. Dass die neue Fußbodenheizung erst seit heute so richtig funktioniert und dass das kleine, feine, exklusive Küchengeschäft es tatsächlich fertig gebracht hat, die falschen Fronten zu liefern, das Waschbecken verkehrt einzubauen und die unpassenden Schränkchen einfach zu kürzen, erklärt vielleicht, dass die Stimmung bei P.s während der letzten Tage ein bißchen schwierig war. Immerhin: Heute schaffen wir es hier drin auf 21 Grad und der neue Kühlschrank ist gestern Abend nach bangem Warten mit 5 Tagen Verspätung doch noch geliefert worden. Wen wird da weiter stören, dass die Küche matt statt glänzend ist, hm? Hochglanzküchen sind zwar modern, aber für Familien mit exzessiven Fingerabdrückern sowieso nicht wirklich geeignet. Meine Kinder sind ja nicht von der Sorte, welche einen Großteil des Tages mit gefalteten Händen ein frommes Gebet spricht. Außer sie haben etwas angestellt.

Seit heute fange ich auch an, mich hier wohl zu fühlen. Gestern noch habe ich den Küchenmenschen angeschrien, dass er seine Scheissküche auf der Stelle wieder ausbauen und sich wohin stecken kann und ich keinesfalls gewillt bin, in ein paar Wochen den ganzen Küchenbaudreck hier in der Wohnung wieder zu ertragen, damit er sein Pfuschwerk mit Hochglanzfronten fortsetzen kann.

Gestern noch hab ich staubig von oben bis unten - inmitten von Kartons, die wegen der unfertigen Küche nicht ausgepackt werden konnten stehend - zu Herrn P.  gesagt, dass er - so er mich denn wirklich liebt - seinen Eltern für Heilig Abend absagen, den Küchenmenschen unter Androhung schwerster Folter ausrauben und für uns alle von der Beute einen Flug auf die Malediven und ein Kindermädchen kaufen soll.

Heute sieht es hier aber endlich einigermaßen zivilisiert aus. Die Kartons sind ausgepackt, der Kühlschrank ist da und die Hütte ist geheizt. Sogar für das Exhibitionisten-Bad-Fenster (laut Architekt hat man Milchglasfenster heutzutage überhaupt nicht mehr) haben wir eine Lösung gefunden: Es hängt ein weißer Duschvorhang davor, d.h. die 14 Gäste, die übermorgen zum Truthahnessen hier einlaufen, müssen sich nicht vor allen Nachbarn beim Pieseln entblößen. Zumindest nicht unfreiwillig.

Ein ehemals glücklicher Babyputer liegt friedlich im Kühlschrank, der andere auf der Terrasse, in der Hoffnung, dass sich heute Nacht nicht streunende Katzen daran laben. Herr P. meinte eben beruhigend, Katzen würden sich doch nicht über so einen rohen Vogel hermachen… was in mir die Frage aufwirft, ob die Urkatze denn ihre Mäuse im Römertopf geschmort gegessen hat oder ob es schon im Steinzeitedeka Whiskas gab.

Neben dem Puter draußen steht der Weihnachtsbaum. Der Größte, den Herr P. finden konnte. Er meinte, dass man mit einem Riesenweihnachtsbaum die Kinder über die Seelenfolter des Umzuges hinwegtrösten könne. Dass der Baum untenrum fast kahl ist und dafür eine auffallend lange Spitze hat, stört dabei nicht weiter. Er war quasi das I-Kind im Baum-Integrationskindergarten und wir haben uns offenen Herzens seiner angenommen.

Bei so einem Umzug tauchen ja tausend Dinge auf, für die es eigentlich keine Verwendung gibt und welche viele Jahre nur Platz benötigt haben. Beim Kisten packen sind mir unter anderem kleine Päckchen Biozimtstangen und Bionelken in die Hände gefallen. Die hab ich gebraucht, als ich vor gut eineinhalb Jahren - 5 Tage überm Entbindungstermin - die Faxen und meine Wasserbeine dicke hatte und einen wahnsinnig ekligen, angeblich wehenfördernden Sud angerührt habe. Mit Erfolg, denn einen Tag später hatten wir das Prinzchen im Arm und seitdem die Mensch gewordene Trotzphase am Hals. Er sagt übrigens seit dem Umzug noch öfter “Nein” als vorher.

Zudem habe ich bemerkt, dass ich offenbar die größte Tupperware-Sammlung der Welt besitze, vornehmlich aus Deckeln der 80er Jahre bestehend. Davon haben wir so viele, weil wir jedes Mal, wenn wir meine liebe Omi besuchen, die Reste des Essens mitnehmen müssen und sie die Plastikbehälter auch nicht mehr wieder haben will. Sie behauptet seit 10 Jahren, dass sie bald sterben würde und deshalb das ganze Klump (was ist da eigentlich die hochdeutsche Entsprechung, hä?) aus der Wohnung haben wolle, weil sie es ja nicht ins Grab mitnehmen könne. Das Ende meiner Oma ist aber - wie ich meine - noch lange nicht nahe und ihr Eßzimmer noch voll mit Tupperzeug. Insofern macht es glaub ich nichts, dass ich die meisten meiner Teile jetzt vor dem Umzug weggeschmissen habe. Ich vermute, dass ich sowieso die Tuppersammlung erbe, so sie einmal das Zeitliche segnet. Egal, Hauptsache ich werde nicht die Erbberechtigte über den vor 25 Jahren handgeknüpften Pferdekopf und den Holzschnitt von dem glatzköpfigen betrunkenen Mönch neben einem Weinfaß.

Wie ein Gurkenschäler bei einem Umzug verloren gehen kann, bleibt ein Rätsel, aber ich gehe davon aus, dass es morgen Vormittag am heiligen Abend ein Leichtes sein wird, auf die Schnelle noch einen aufzutreiben. Dafür habe ich festgestellt, dass ich im Besitz von drei Knoblauchpressen, welche ich nie benutze, bin und darüber hinaus über eine stattliche Sammlung an asiatischen Eßstäbchen verfüge, obwohl ich sie mangels feinmotorischer Talente niemals verwende. In der Schachtel mit den Sachen aus der linken oberen Schublade des Küchenschranks der alten Wohnung haben sich auch noch drei Eierwärmer in Hasenkopfform sowie Pellkartoffelschäler und Plätzchenformen in Pinguinform gefunden. Alles Dinge, die die moderne Hausfrau dringend und oft braucht.

Liebe Freunde und Unbekannte, ich wünsche Euch allen auf diesem Wege frohe Weihnachten und dass die Tage so unstressig wie möglich für uns alle werden. Ich werde am ersten Feiertag 20 Kartoffel- und 20 Brezenknödel mit einem bezaubernden Lächeln im Gesicht rollen und man wird mir nicht anmerken, dass ich um 6 Uhr aufgestanden bin, um den Puten rechtzeitig die Maronen-Mandelfüllung in den Hintern zu stopfen und den Ofen anzuschmeissen. Auf dass wir alle Gold und Geschmeide zu Weihnachten bekommen oder endlich die langerhoffte Bauchstraffung. Letzteres spielt aber vielleicht gar nicht eine so große Rolle angesichts dessen, dass Herr P. zwar Fernseher und DVD-Player zum Laufen gebracht hat, aber keinerlei Ambitionen zeigt, irgendwo in dieser Wohnung einen Spiegel aufzuhängen. Ich kann mich also mindestens die ganze Weihnachtszeit hindurch entspannt schlank wie ein Reh fühlen und habe keine Gelegenheit, der bitteren Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Luke Skywalter - oder wie der heißt  - ist schließlichauch kein Adonis.

Viele Weihnachtsgrüße,

SallyP.

2 Responses to “Sallys Weihnachtsgruß”

  1. Drogo

    Luke ist ja auch nicht der Frauenschwarm in dem Film sondern ein GANZ Junger Harrion Ford!!

  2. Drogo

    btw. Erstes Kommentar und nicht geschummelt :-)

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