Sally on the Blog

Eine Zugfahrt die ist lustig

August 29th, 2009

So, meine Lieben… es ist spätabends und der - zur Feier des Tages gute - Wein ist offen und so will ich Euch zum Abschied nochmal ungefragt an meinem kleinen Zaubermamileben teilhaben lassen.

Nach tagelang schlechter Stimmung und der immer ernster werdenden Überlegung, ob ich Mann und großen Sohn allein in die gebuchten Ferien fahren lassen und mich derweil mit Gipsfußkleinkind und Riesen-Nutellaglas auf einer Decke im Garten parken werde, wo wir mit unserer Freundin, der kleinen Raupe, auf das Ende der Ferien warten, gab es eine große Aussprache unter dem Motto “alle oder keiner”. Die 4 seelisch und körperlich angeschlagenen Musketiere rüsten sich also zur Familienreise, nachdem Herr P. und der Große heilige Eide geschworen haben, die Mutti allweil zu unterstützen und sie auch mal allein in die Therme und zur Pekidüre gehen zu lassen.

Ein zweifelhafter Erfolg, denn Folge dieser Entscheidung war selbstredend, dass das Packen der Koffer und alle anderen Vorbereitungen für diese Reise der lieben Mutti zufiel. Wer hätts gedacht….?!

Folgender Intelligenztest war also heute meine Aufgabe:

2 Erwachsene, ein Grundschüler und das Klumpfuß-Kleinkind fahren mit dem Zug eine Woche ins Land von Almdudler, Kaiserschmarrn und Topfenpalatschinken. Die Reise wird mit der Bahn angetreten. Außer den genannten Personen müssen noch mit: Kinderwagen, zwei Riesentrolleys, Wickelrucksack, Spielzeugtasche, Kinderrucksack, Kinderrückentrage. Welche Dinge sind unentbehrlich genug, um einen Platz im knapp bemessenen Stauraum der Familie P. zu erhalten?

- Die Flossen kommen auf Kosten von Sallys Abendgarderobe mit (wer braucht die schon in einem Familienhotel, in welchem wahrscheinlich alle Eltern mit Tomatensoßenflecken auf den Labbert-Shirts rumlaufen?)

- hohe Schuhe finden zugunsten von 3 Riesenwimmelbüchern keinen Platz mehr (wer ein Gipsfußkind rumwuchten muss, hätte mit hohen Sandalen eh erhöhte Verletzungsgefahr und zum Abschluß einer Auslandskrankenversicherung blieb keine Zeit mehr)

- zugunsten der Packung Windeln fliegen die Badehandtücher wieder aus dem Koffer, denn diese können im Notfall auch im Hotel gestohlen werden

- weil Männer von dem Dogma “jeden Tag eine frische Unterhose” sowieso nichts halten, hab ich jedem großzügig 4 Stück eingepackt; das macht für jeden 2. Tag eine plus eine für mögliche Notfälle. Perfekt, oder? Dafür mogel ich mir doch ein Paar schicke Schuhe in den Koffer…

- die Raupe Nimmersatt und die Siedler von Catan finden Platz zu ungunsten meiner sexy Unterwäsche, aber die brauch ich eh nicht, weil wann soll ich schon Sex haben? Und mit wem? Selbst wenn der Live-event-Koch am Fischstäbchenstand im Hotel aussieht wie Clooney, wird er mich angesichts meiner Trekkingsandalen, mangelndem Make-Up, weißen Gipsflecken auf dem schwarzen Schlabbert-Shirt und Augenringen nicht irrsinnig begehrlich finden.

Ansonsten werden wir es machen, wie seinerzeit meine Oma bei der Flucht aus dem Sudentenland:
alle nötigen Klamotten schichtartig übereinander tragen, dann ist im Koffer tatsächlich auch noch Platz für Lippenstift und Urlaubslektüre. Wichtig auch noch, die Bergschuhe bei egal welchen Witterungsverhältnissen zur Fahrt anzuziehen, denn die Flipflops und Trekkingsandalen im Koffer wiegen leichter und es bleibt wiederum Platz für die Wasserfarben, um das Gipsbein anzumalen.

Die Rolle Ersatzgipsbinden für den Notfall steck ich mir einfach in den BH, dann hab ich sie griffbereit und die Taschentücher zum Putzen diverser Rotzglocken und Brezensauerein morgen im Zug in die andere Seite. Jetzt weiß ich, warum der Gott mir zwei Glocken gemacht hat.

Drückt mir die Daumen, dass es die Woche nicht mehr so heiß ist, dass das Kind weiterhin juckenden Hitzeausschlag hat und es gleichzeitig aber nicht so kalt wird, dass wir anfangen müssen, von den guten langen Hosen ein Bein abzuschneiden, damit der Gips reinpaßt. Meine Freundin, welche mit ihrer Familie auch mitfährt, bringt Jogginghosen von ihrer Kleinen für unseren Kleinen mit… rosa und mit Blümchen und Bienchen. Das ist schön, denn ich wollte ja eh schon immer lieber ein Mädchen.

Bleibt schön brav und lästert nicht so viel, dann bring ich Euch auch was Schönes mit. Sofern ich nicht irgendwann unterwegs vom Zigarettenholen nicht mehr zurückgekommen bin. Aber das erfahrt Ihr dann von Schnapp-Ede bei XY.

Servus ba ba und pfüat Euch!
Sally

Lagerkoller

August 21st, 2009

Ihr habt es sicher schon bemerkt… ich benutze das Forum hier und damit auch Euch zum Zwecke der Aufarbeitung meiner täglich neuerlichen Traumatisierungen… es herrscht akuter Therapeutenmangel hier, weil diese Stadt so hochneurotisch ist, dass es auf jeden Einwohner einen Therapeuten bräuchte…(die sind ja auch die Einzigen, die sich die Mietpreise hier leisten könnten, aber das ist ein anderes Thema).

Schlimm ist wirklich, dass unser Kleinkind sich punktgenau mit Beginn des Sommerurlaubes seiner Eltern das Bein gebrochen hat. Gebrochen zu einem Zeitpunkt, zu welchem seine Haupttagesbeschäftigung Rumlaufen ist. Seit 3 Monaten verfügt er über diese Fertigkeit und seitdem tut er fast nichts anderes. Er läuft rum und rum und rum. Steht morgens auf, fängt an zu laufen und unterbricht sich eigentlich nur, um im Garten schnell eine Ameise zu zerbatzen und sich ins Ohr zu stecken oder um schnell ein Auto in die Kloschüssel zu werfen oder um mal eben einen Sabberundleberwurstmundabdruck auf das Wohnzimmerfenster zu drücken.

Jetzt ist sein Bein bis obenhin gegipst und wir sind jeden Tag unseres Urlaubes damit beschäftigt, ihn bei Laune zu halten. Und nun ist es ja nicht nur so, dass mit Urlaubsbeginn das Kind in Gips war, sondern gleichzeitig auch endlich der Sommer angefangen hat. Wir hätten also die Tage am See, im Schwimmbad, in den Bergen oder mondän am Planschbecken im Garten verbringen können, weit gefehlt.

Für unseren Großen suchen wir nun jeden Tag eine neue Tagesverabredung, damit der schon mal aus der Schußlinie ist. Täglich telefoniere ich Eltern von Freunden und Schulkameraden ab und beschwatze die wenigen im Lande verbliebenen, sich meines Sohnes anzunehmen. Bisher ist mir das meistens geglückt, wenngleich so manche Verabredung zweifelhaft war. Gestern z.B. hat er den Tag mit einem Klassenkameraden und dessen Mutter und deren 15 Jahre jüngerem Punkerfreund am See verbracht… wo die Jungs mutmaßlich mit Pommes und Cola gefüttert wurden, während die Großen Bier und Zigaretten zu Mittag hatten… ich mußte mich aus dem dringenden Angebot, mein Kind noch übernachten zu lassen, unter Aufgebot schlimmster und feiger Lügen wieder rauswinden. Puh!

Nachdem der Sommer nun täglich 35 Grad bringt und unser Gipskind inzwischen Hitzepickel von Stirn bis Fußsohle hat, welche offenbar auch zunehmend jucken, verbringen wir die Tage ausschließlich zu Hause oder im Garten im Schatten. Jeder Schritt nach draußen im Kinderwagen wird mit unmittelbarer Neuwentwicklung von feuerrroten Pusteln bestraft, also lassen wir es. Alle liebgemeinten Kaffee-und-Kuchen-Einladungen haben wir abgesagt und lesen stattdessen 15334 Mal am Tag die kleine Raupe, 394820 Mal das Flori-Osterhasen-Buch, spielen 34593 Mal Pitschepatschepeter, impfen uns täglich mehrmals mit der Plastikspritze, suchen den Boden nach verfrüht abgefallenen Kastanien ab und freuen uns daran, dass die Schale PIEKS macht, spielen dazwischen immer mal wieder “Kuckuck? Daaaaaaaa!” oder auch “allemeinefingerleinwollenheutmaltierleinsein” oder suchen auf den Ernie-und-Bert-Handspielpuppen die Nase, die Augenbrauen und die Ohren.

Leider kann man ein so kleines Kind ja nicht vorm DVD-Recorder parken und ihm täglich die Herr-der-Ringe-Trilogie verpassen und auch keine Kopfhörer mit Hörspiel in die Ohren stopfen. Es ist zwar ein HBchen, aber dennoch noch nicht - ganz - in der Lage, selbständig den Zauberberg zu lesen oder am Klavier eine Oper zu komponieren.
Ich räume aber beschämt ein, dass ich uns die Zeit inzwischen manchmal vertreibe, indem wir uns auf youtube 10 Mal hintereinander das Pinocchio-Intro anschauen. Er liebt die Stelle, wo Pinoccio auf dem Vogel reitet und ich liebe die Stelle, wo es im Text heißt “du kannst noch nicht alleine sein”, das rührt mich wahnsinnig.

Nachts schläft die Kröte wieder bei uns, da sie davon abgehalten werden muss, im Gitterbett aufzustehen. Also liegt sie zwischen uns, schwitzt und schlägt mir 5 Mal jede Nacht das schwere Gipsbein auf Arm, Bauch oder auch gern mal den Kopf, denn er dreht sich beim Schlafen wie ein Uhrzeiger.

Kurz und gut: Wir haben inzwischen einen Lagerkoller, der Ludwig und ich keifen uns bloß noch an und wünschten beide, die Ferien einfach abschaffen und wieder arbeiten gehen zu können. Als Singles. Und ausschließlich mit dekorativen Topfpflanzen in einem 100qm-Loft zu wohnen.

Für Samstag ist eine Reise geplant. Mit dem Zug. Wird es möglich sein, eine erholsame Urlaubswoche an einem Ort mit Pool zu haben, von welchem man das Kind fernhalten muss? Wird es möglich sein, das ganze Bespassungsequipment (Raupe, Floribuch, Bauernhofsteckkasten, Wimmelbuch, Ernie und Bert usw.) im Zug mitzunehmen? Wird es möglich sein, zu verhindern, dass Sand aus der Sandkiste zwischen Bein und Gips rutscht?
Wird die elterliche Liebe zueinander dieser Prüfung standhalten?

Am Montag nach dem Urlaub kommt der Gips runter. Danach darf ich endlich wieder arbeiten.

SallyP.

Einen schönen Samstagabend, Euch allen! Nach einem laaaaaaaaaaangen und ebenso heißen Tag am See glotzt das große Kind nun Asterix und das Kleine ist in seligen Schlaf gefallen.
Herr P. ist wieder der Wissenschaft verfallen und hockt vorm Laptop, seufz.
Ich will Euch mal vom Tag und meinen aktuellen soziologischen Feldstudien berichten:

Wir waren heute zu einem Geburtstagsfest meiner Freundin eingeladen. Früher, da haben eben jene Freundin und ich und all die Anderen Feste so gefeiert, dass jeder der eingeladen war kommen konnte und jeder andere sowieso. Umso mehr, umso besser. Zu essen gabs - wenn überhaupt was - einen Riesentopf Chilli con carne mit Brot. Was ganz gut war, weil von dem vielen Gras das geraucht wurde, wurde man ja auch immer so hungrig…Fressflash hieß das, kennt das jemand? Ansonsten gabs viel Bier, welches in der Badewanne gekühlt wurde und wenn es ausging, ging einer mit Mütze rum und sammelte Geld und dann wurde gelost, wer zur Tanke laufen und Nachschub holen mußte.

Früher da rauchten die Raucher drinnen und die 4 Quotennichtraucher standen am Balkon. Heute ist es andersrum…

Heute feiert man anders: Das Fest findet tagsüber statt, weil ja alle Kinder haben und diese - äußerst anstrengende - Spezies ist ja naturgemäß tagsüber wach und schläft Nachts. Und gefeiert wird am See, weil die Kinder ja bespaßt werden müssen und alle Eltern wissen, dass sie nur Freude haben werden, wenn ihre Kinder glücklich sind. Es treffen sich also am See 6 Familien mit gefühlten 43 Kindern im Alter zwischen 2 Monaten und 9 Jahren, von welchen irgendwann egal ist, wem sie gehören, weil man kollektiv schimpft, füttert, lobt, wickelt, Feuchttücher zückt, Schorle eingießt, Schorle aufwischt, Pflaster auf blutende Knie pappt usw. Egal ob das eigene Kind oder nicht. Nur stillen tut man nur die eigenen (warum eigentlich?). Erst am Abend, beim großen Aufbruch unter müdem Weinen verschiedener Kinder klaubt man dann die eigenen zusammen aus dem Haufen verschwitzter und dreckiger Meute.

Schön an so einem Tag ist auch, dass man alle in Bikini/Badehose sehen kann. Alle Freundinnen, von welchen man dachte, sie hätten nach den Schwangerschaften eine bessere Figur als man selbst. Im Bikini und im gleißenden Sonnenlicht stellt man befriedigt fest, dass nur die Problemzonen andere sind…hihi! Und bei den Männern: die, die die meiste Kohle verdienen, haben die speckigsten und wabbeligsten Bäuche. Nochmal hihi!
Die anderen Kinder plappern auch dazwischen, kriegen auch Zornanfälle, jammern auch über Langeweile (AM SEE!!!) und fordern auch 3 Mal am Tag ein Eis und Pommes, während die Geburtstagstafel reichlich mit einem Riesenbuffet gedeckt ist. Also haben nicht nur wir bei der Erziehung und Förderung versagt. Das tröstet.

Und mittendrin hat unser Kleinkind gelernt, mit Gipsfuß zu krabbeln und das Hinkebein einfach hinter sich her zu schleifen. Er ist nicht aufzuhalten, wir haben alles versucht: es gibt keine Möglichkeit, dieses Kind dazu anzuhalten, sich zum Schutz seines gebrochenen Unterschenkels nicht selbständig fortzubewegen. Der Gips hat nun diverse Dellen, unten Grasflecken und ist oben bereits ordentlich ausgefranst. Die Umwickelung fällt fast ab und muss 5-minütlich neu befestigt werden. Weil es so warm war und Windeln Folter sind, ist er ne Weile auch nackig gekrabbelt…. der kleine Kackafleck fällt unter den Flecken von Nudelsalat, Ketchup, Traubenschorle kaum auf.
Und wen interessiert schon, ob sich der Gips von Sprudelwasser, Sabber oder Pipi auflöst?

Am Montag wird eh gewechselt, aber der neue Gips bleibt dann zwei Wochen… wie der danach wohl aussehen mag, will ich mir noch gar nicht vorstellen.

So, genug geschwätzt…ich hab mich heute kaum bewegt und bin troztdem irrsinnig müde… wie kann das sein? Das viele Essen vielleicht?

Grüße,
SallyP.

Reine Nervensache

August 7th, 2009

*endlich entspannt am Rotwein nipp*

Puh, was für ein Tag! Das Leben mit Kindern ist anstrengend, oder finde nur ich das? Meine Mutter besteigt diese Woche den Großvenediger und Herr P. hat Spätdienst. Der Kronprinz ist im Pfadfinderlager und trinkt heldenhaft aus Strohhälmen, weil er sich beim Holzhacken die Lippe perforiert hat und genäht werden mußte. Ich hab ihn dreimal gefragt, ob er WIRKLICH nicht lieber heim will, aber er hat immer unverständlich ins Telefon genuschelt: “‘ein, isch ‘ill ‘ierbleiben!”
Nun bin ich heute extra früh aus der Arbeit geradelt und hab unseren 1 1/2 jährigen Trotzphasenkönig aus der Kinderverwahrung geholt….und war den ganzen Nachmittag und Abend mit ihm allein. Gibts ja selten.

Das Schöne ist ja: die Eingewöhnung ist endlich vorrüber. Seit ein paar Tagen schreit er morgens nicht mehr wie am Spieß sondern winkt uns kurz, bevor er Besseres zu tun hat. Und Nachmittags will er plötzlich nicht mehr mit heimgehen weil er gerade mit dem Finger in Henriettes Nase reinfühlt.
Und ich schwöre, seit wir heimkamen bis um 8 als der im Bett war, war KEINE SEKUNDE RUHE.

Der ist nur noch am Rumräumen und Rumteufeln und Aufdrehen und singen und tanzen.
Am Obststand schau ich mich suchend nach Nektarinen um, während er schon Heidelbeeren aus den Schälchen ganz vorne nascht.
Wir stehen im Flur, ich will meine Schuhe ausziehen, er räumt schon das Schuhregal aus und beißt in meine Flipflops. Ich stopfe Wäsche in die Maschine; in einem unbemerkten Augenblick steckt er ein Auto seines großen Bruders mit rein (da fallen mir wieder meine schönen Filzpantoffeln ein, die jetzt nur noch die Hälfte groß sind ). Ich setz ihn in die Wanne, er kreischt beim Waschen vor Zorn, schnappt sich den Waschlappen und schmeißt ihn aus der Wanne raus. Pfütze. Er kreischt beim Haarewaschen als würde ich ihn grillen wollen und beißt anschließend Stücke von meinem Hornhautbimsstein ab.
Ich hol ihn - wieder kreischend, weil er war noch nicht fertig mit Baden - aus der Wanne und trockne ihn ab, während er in einem Affenzahn durch die Wohnung saust. Ich fange ihn ein und setze ihn auf meinen Schoß um ihm zunächst unter gutem Zureden (schau mal was Du für ein Struwelpeter bist, feeeeeeeeeein kannst Du stillhalten, feeeeeiiiiiiiiiin!); unmittelbar danach unter Zuhilfenahme des Mama-Oberschenkelschraubengriffes. Er kreischt und wütet, ich schneide so vorsichtig wie möglich und er pinkelt mir über die Hose den Boden voll. Während ich aufwische, läuft er mit dem Waschlappen, den er aus der Wanne geholt hat durchs Wohnzimmer, wirft ihn hoch und juchzt dabei “huiuiuiuiiiiiiiiiii!”. Ich creme und wickle ihn im Stehen auf dem Wickeltisch, während er die Wärmelampe an und ausmacht. Ich ziehe ihn an, während er sich selbst mit der Sonnencreme Lichtschutzfaktor 50 die Haare einschmiert. Wir lesen im Schnelldurchlauf die Raupe Nimmersatt (Apfel, schmatz, schmatz, Birne, schmatz, schmatz, Törtchen, Würstchen, AUAUAAUA, Eiiiiiiiiiiiiiiiiiii, eiiiiiiii, aaaaaaaaarme Raupe!) und während ich dann noch das Fläschchen mache, klaubt er die Reste von seinem Tomaten-Käse-Schinken-Brot-Arrangement vom Abendessen am Boden auf, ißt es und macht dabei “hmmmmmmmmmmmmm”. Ich schüttle die Flasche, er zieht noch schnell die Schubladen auf und zieht eine 100er Packung Servietten raus und räumt dann noch den Küchenschrank mit den Tuppersachen aus.

Wenn wir im Bett liegen und er die Flasche ausgetrunken hat, streichelt er mich und sagt “Eiiiiiiiiiiii Mama”.

Darf ich das als Lob verstehen?

SallyP. (seeeeeeeeeehr müde)

I ruled Kindergeburtstag….

August 2nd, 2009

…den Spruch würd ich mir jetzt gern aufs Hirn pappen, während ich die Proseccoflasche aufmache!

Seit 11 Uhr sind sie nun weg, die sieben süßen kleinen Jungs im Alter von 8 bis 10, welche uns nun von gestern 17 Uhr bis vorhin gerade mit ihrer Anwesenheit bereichert haben.
Just grade bin ich mit Putzen fertig. Bzw. FAST fertig, denn die beiden völlig verbrunzten Klos überlasse ich Herrn P.. Der trägt als Mann ja quasi Generalschuld an dem Ergebnis von ca. 45 Toilettenbesuchen, welche selbstredend im Stehen verrichtet wurden.

Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen:
1. Wer sich Jahr und Tag über die dauernden Kindergeburtstagsfeiern bei McDonalds und im Indoorspielplatz aufregt und über die dazugehörigen Eltern lästert, muss natürlicherweise ein Riesengeburtstagsspektakel im Kreuz haben. Dementsprechend haben wir ordentlich großgekotzt und zum gemeinsamen Grillabend mit anschließendem Schokoladenfondue aus dem Schokobrunnen sowie nächtlichem Kinobesuch mit noch nächtlicherer Nachtwanderung und Zeltübernachtug im Garten geladen. Gut ankommen ist ja immer nur ne Frage von Hochstapeln und Schaumschlagen und das kann ich gut.
2. Die Order meiner Mutter, immer so viele Kinder an der Zahl einzuladen, wie das entsprechende Geburtstagsjahr, wird von Jahr zu Jahr schwieriger einzuhalten. Eingeladen waren natürlich 9 Jungs, aber ich war heilfroh dass nur 8 da waren und einer früher gehen mußte, sonst säße ich jetzt nicht hier sondern im Bezirkskrankenhaus.
3. Die Frage, wie man interkulturell versiert genug ist, um auch die Eltern des kleinen Ahmed dazu zu bringen, ihren süßen Kleinen zum Geburtstag kommen zu lassen, bleibt ein Rätsel. Die sind dieses Jahr neu zugezogen, der Kleine ist echt ein Herzchen und mein Großer mag ihn gern. Also hat er ihn eingeladen. Laut Einladung war um Rückruf geben, was nicht erfolgte. Wir konnten uns auch nicht melden, weil sie nicht auf der Klassenliste stehen. Bei 2maligem persönlichen Besuch war keiner daheim. Keiner hat mehr mit Ahmed gerechnet. Das Grillen war gestern voll im Gange, da klettert plötzlich der kleine Ahmed über den Zaun und alle freuen sich, dass er da ist. Ich renne zur Haustür raus und sehe seine Mutter (oder wen auch immer) nur noch um die Ecke huschen. Ahmed selbst gibt dann Auskunft, dass er nach dem Kino heimgehen muss. Keine Übernachtung, fertig aus.
4. Für einen Schokobrunnen braucht man die entsprechende Schokolade. Hat man die besorgt, ist beim Schmelzen darauf zu achten, dass kein Wasser reinkommt. Passiert es dennoch, ist nix mehr mit Schokobrunnen, bzw. man versucht nochmal eine alte Packung weiße Schokolade. Wenn auch diese sich nicht mehr flüssig schmelzen läßt, macht man das Fondue einfach im Topf und wird sehen, dass Kinder sich auch nicht daran stören, dass die Schoki muffig schmeckt.
5. 9jährige reden dauernd über PUPS und FURZ und bezichtigen sich gegenseitig der Blähungen. Die Hälfte unserer Nachbarn hat sich über die geistreichen Gespräche, welche aus den Zelten heraus zu hören waren, irrsinnig belustigt und konnte bei Bier auf dem Balkon auf das eh schlechte Samstag-Abend-Comedy-Programm verzichten. Die andere, bildungsbürgerlichere, Hälfte hat sich heute Vormittag über die verbalen Zumutungen beschwert.
6. Haben erwachsene Kinobesucher, welche Samstags in eine 20.30 Uhr Vorstellung von ICE AGE 3 gehen, das Recht, sich über eine 9-köpfige, gummibärenfressende Kicher-Kette in der Reihe vor ihnen zu beschweren? Muss man in so einem Film mit Kindern rechnen, auch wenn es Abend ist oder nicht? Ich habe auf das vielfache “Oh Gott” beim Betreten des Kinosaals schon weithin hörbar verlauten lassen, dass die meisten davon NICHT meine Kinder seien und ich insofern alle Veranwortung für die - während der nächsten 2 Stunden sichtbaren - Erziehungsdefizite ausdrücklich von mir weise.
7. Wenn es tagelang geregnet hat und dann 9 Kinder im Garten schlafen und ständig rein und raus laufen… Um pieseln zu gehen, Taschenlampen zu suchen, um nach Pflaster zu schreien, auf das Parkett zu bluten, um ein Kissen zu brauchen, um sich über ihren pupsenden Zeltgenossen zu beschweren usw. usw. usw., dann bereut man, die Wohnung vor der Party geputzt zu haben.
8. Wenn 9 Jungs halbstarke Sprüche schwingend mit Bionadeflaschen in der Hand Wettfurzen machen, hat man Visionen den 16. Geburtstag betreffend, und kriegt Angst.

So, eine von den anderen Mamas hat sich erbarmt und mein Geburtstagskind an den See mitgenommen… Hier herrscht nun himmlische Ruhe und ich hau mich jetzt in den Garten und trinke Kaffee im Liegestuhl.

Grüße,
SallyP.

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